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Diagnostik
und Therapie von Lahmheiten
Lahmheiten sind aufgrund des Verwendungszweckes und der anatomischen
Gegebenheiten unserer „Sportler“, der häufigste
Grund einen Tierarzt aufzusuchen. Lahmheit definiert sich
durch Gangunreinheit (mehr oder weniger
deutlich), die häufig durch Schmerzhaftigkeit in einer
oder mehreren Extremitäten verursacht wird. Vornehmlichstes
Ziel einer Lahmheitsuntersuchung ist die sichere Lokalisation
dieser Schmerzhaftigkeit, damit eine gezielte Therapie durchgeführt
werden kann.
Eine Lahmheitsuntersuchung läuft wie folgt ab:
- Feststellen auf welchem Bein der Patient lahmt. Dieses
geschieht, wenn möglich, durch Vortraben auf einer
geraden Strecke oder durch Longieren.
- Beugeproben und deren Befund.
- Betasten und Betrachten der Extremität, ob Schwellungen,
vermehrte Wärme, Pulsation, Druckschmerzhaftigkeit
oder abnormale anatomische Veränderungen vorliegen.
- Diagnostische Injektionen: Dieses sind Injektionen mit
örtlichen Betäubungsmitteln an Nerven, ins Gelenk
oder in
vermutlich schmerzhafte Bereiche der zu untersuchenden Extremität.
Ist das Pferd nach einer derartigen Injektion lahmfrei,
hat eine Eingrenzung bzw. Lokalisation der schmerzenden
Stelle stattgefunden. Man spricht dann von einem positiven
Ergebnis der diagnostischen Injektion. Zur näheren
Untersuchung der lokalisierten, schmerzhaften Stelle, folgt
die
- Untersuchung mit bildgebenden Verfahren:
a) (Digitales) Röntgen
b) Ultraschalluntersuchung
c) Endoskopische Untersuchung
d) Radioaktive Kontrastmittelmessungen /Darstellungen, wie
z.B. die Szintigraphie. Diese Verfahren sind erfahrungsgemäß
nur bei dem Vorliegen bestimmter Erkrankungen / Schäden
im Skelett- und Weichteilbereich, die nicht mittels der
o.g. Verfahren diagnostiziert werden können, angezeigt.
Wenn der Schmerz lokalisiert ist und die durch Bildgebung
ermittelten Befunde dazu passen, können wir als Tierärzte
eine Diagnose stellen. Nur die gesicherte Diagnose zeigt uns
den Weg, welche Therapiemassnahmen ergriffen werden müssen.
Es stehen konservative Behandlungsmöglichenkeiten, wie
z.B. allg. Medikation sowie die Verabreichung von Wirkstoffen
direkt in oder an das erkrankte Gebiet (Gelenk, Sehnenscheide,
Sehnen, Muskel, Nerv, etc.), zur Verfügung. In bestimmten
Fällen sind operative Massnahmen unumgänglich, um
zu einer nachhaltigen Schmerzfreiheit/Lahmfreiheit zu gelangen.
Alternativ können Patienten mit chronisch degenerativen
Gelenkserkrankungen mit dem Verfahren der Radiosynoviorthese
(intraartikuläre Injektion von Radionukleotiden) erfolgreich
behandelt werden. Unterstützt werden all diese Maßnahmen
und Therapien je nach Fall durch
Physiotherapie, Stoßwellentherapie, Ruhigstellung etc.
Am Ende soll die Wiederverwendbarkeit des Pferdes stehen.
RSO (Radiosynoviorthese)
Nuklearmedizinische Behandlung von chronischen Arthrosen
Bei chronischen Arthrosen, die trotz herkömmlicher Behandlungen
immer wieder zu Lahmheiten führen, setzen wir mit erstaunlich
guten Erfolgsaussichten Radionukleotide ein, die direkt in
die erkrankten Gelenke injeziert werden. Ein arthrotisch verändertes
Gelenk kann dadurch nicht wieder in seinen Urzustand zurückversetzt
werden, es kommt aber unter dem Einfluss der Nukleotide zu
einer deutlichen Verbesserung der Schmerzsituation. Wir haben
dieses Verfahren aus der Humanmedizin übernommen. Dort
werden durch den Einsatz von Radionukleotiden sehr gute Erfolge
bei der Behandlung von chronischen Arthrosen erzielt. Näheres
erfragen sie bitte direkt in unserer Klinik.
Atemwegserkrankungen
Wir unterscheiden zwischen Erkrankungen der oberen und unteren
Atemwege mit Nasennebenhöhlen. Die oberen Luftwege umfassen
den Nasengang, den Rachen, den Kehlkopf, die Luftsäcke
und den oberen Teil der Luftröhre. Die unteren Atemwege
schließen die Bronchien, die Lunge und den unteren Teil
der Luftröhre mit ein.
Die Erkrankungen der oberen Luftwege können sich durch
ein- oder beidseitigen Nasenausfluss, durch übermäßiges
Schnauben, durch Atemgeräusche oder durch Husten äußern.
Erkrankungen der unteren Luftwege äußern sich
durch Schweratmigkeit, Husten, Sekretabfluss. Im akuten Stadium
sind Erkrankungen der Atemwege durch geeignete Behandlungsmassnahmen
im Heimatstall gut in den Griff zu bekommen.
Sollte sich der Zustand jedoch nicht bessern und in ein chronisches
Stadium abgleiten, ist eine genauere Untersuchung mittels
Blutuntersuchung, Sekretprobenentnahmen, Röntgen und
Bronchien-, Kehlkopf-/Lungenspiegelung ggf. in einer Klinik
angezeigt. Diese Untersuchungen geben sicheren Aufschluß
darüber, ob es sich um ein akutes, chronisches, infektiöses,
herzbedingtes oder nicht selten haltungsbedingtes Geschehen
handelt. Eine gezielte, geeignete Behandlungstherapie und/oder
Haltungsänderung kann und muß eingeleitet werden,
um eine Besserung oder Heilung herbeizuführen.
Verletzungen
Das Pferd ist aufgrund seiner Kraft und seines Verwendungszweckes
als Sportkamerad leider sehr verletzungsanfällig. Häufig
auftretende Schnitt-, Stich- und Rissverletzungen im Rumpfbereich
sind, wenngleich teilweise recht spektakulär, oft nicht
tragisch. Sofern nicht große Blutgefäße betroffen
sind und keine Körperhöhlen oder Gelenke eröffnet
wurden, sind diese in der Regel leicht im Heimatstall zu behandeln.
Kleinere Verletzungen an den Beinen, die jedoch immer als
hochgradig infektionsgefährdet anzusehen sind, sind nach
Säuberung, antibiotischer Versorgung und Abdeckung durch
geeignete Verbände meist vorort gut beherrschbar. Leichte
Wundheilungsstörungen, wie z.B. die Bildung von Granulationsgewebe
(„wildes Fleisch“), können ebenfalls durch
sehr regelmäßige Wundbehandlungen minimiert und
zur Ausheilung gebracht werden. Sollten die Verletzungen,
wie oben angesprochen, schwerwiegender sein, ist die intensive
Behandlung in einer Klinik unumgänglich. So müssen
tiefe Haut-/Muskel-, Knochen-, Sehnen-/Sehnenscheiden- und
Gelenkverletzungen unbedingt unter aseptischen Bedingungen,
teils chirurgisch versorgt werden. Hier sind besonders eröffnete
Gelenke, wegen der hochgradigen Infektionsgefahr, als lebensbedrohlicher
Zustand anzusehen. Bei guter und konsequenter tiermedizinischer
Versorgung besteht dennoch die Chance auf eine gute Wiederherstellung
und spätere Nutzung des Tieres.
Augenerkrankungen
Augenerkrankungen des Pferdes sind eine ernstzunehmende
Sache, ist doch das Pferd sehr stark auf seine Orientierung
durch beide Augen angewiesen. Bei Verlust der Sehfähigkeit
eines Auges kann das Pferd, bedingt durch die seitliche Position
der Augen im Kopf, stark behindert sein, weil sein Gesichtsfeld
um 50% eingeschränkt wird. Spät erblindete Pferde
versuchen dieses auszugleichen, indem sie den Kopf zur Seite
des erblindeten Auges
gedreht halten, um eine bessere Sicht nach vorne zu haben.
Dieses kann dazu führen, dass ein einseitig erblindetes
Pferd beim Reiten nicht oder nur schwer geradeaus zu halten
ist und sich ungern zur Seite des gesunden Auges stellen bzw.
biegen lässt. Früh-erblindete Pferde haben seltener
diese Schwierigkeiten. Zielsetzung ist es also, durch besonders
intensive und gezielte Therapie auch ggf. unter Hinzuziehung
eines humanen Augenarztes, die bedrohte Sehfähigkeit
eines infizierten oder verletzten Auges zu erhalten. Sehr
häufig scheuern die Patienten das erkrankte und schmerzende
Auge woran immer sie können und verschlimmern so das
Krankheitsgeschehen erheblich. Dies muß durch geeignete
Augenverbände und Kopfmasken verhindert werden.
Lidverletzungen, penetrierende Hornhautverletzungen und Augentumore
müssen chirurgisch einwandfrei versorgt werden. Ebenfalls
wichtig ist die kontinuierliche Versorgung mit Augenmedikamenten
(z.B. Salben oder Tropfen) nach solchen Eingriffen sowie bei
ernsten, infektiösen Augenerkrankungen. Dieses ist im
Stall kaum möglich, da der Besitzer nur selten die Möglichkeit
hat, die ca. alle 2 Stunden erforderliche Behandlung durchzuführen.
Auch wenn der Patient sich der Behandlung widersetzt, ist
eine ordentliche Applikation der Medikamente nicht gewährleistet.
In diesem Falle ist die Unterbringung des Patienten in der
Klinik unbedingt angezeigt, um wirklich
zum Erfolg zu kommen. Leichte Augeninfektionen werden meistens
ambulant bzw. im Stall behandelt.
Wichtig: Bitte behandeln sie
ein erkranktes Auge nie mit einer Augensalbe, die sie zufällig
noch von einer vorangegangenen Behandlung besitzen. Eine
Fehlbehandlung, besonders mit cortisonhaltigen Augenpräparaten,
kann eine ernsthafte Schädigung des Auges bewirken.
Lassen sie das erkrankte Auge vor einer Therapie unbedingt
genau untersuchen.
Diagnostik und Therapie von Koliken
Koliken bei Pferden sind eine artspezifische, häufig
lebensbedrohliche Erkrankung. Ursächlich ist der sehr
lange, wenig befestigte „Pflanzenfresserdarm“.
Der Darm kann sich in der Bauchhöhle unverhältnismäßig
stark verlagern und verdrehen und dadurch zu Verstopfungen,
Aufgasungen, Verschlüssen, Einklemmungen und Verknotungen
führen, die äußerlich nicht unbedingt klar
erkennbar sind.
Daher gilt: Wenn eine schnelle Erstbehandlung durch den Haustierarzt
mit krampflösenden Medikamenten eine unverzügliche
Besserung bringt hat nur ein Darmkrampf vorgelegen. Hält
die Wirkung der verabreichten Medikamente nur kurz an oder
zeigt keinerlei Besserung, ist mit einer ernsteren Störung
im Magen-Darmtrakt zu rechnen. Da die ausreichende kontinuierliche
Behandlung und Überwachung des Patienten im Stall nicht
immer gewährleistet ist, wird ihr Haustierarzt das Pferd
in eine auf diese Fälle spezialisierte Klinik einweisen,
die notfalls chirurgische Massnahmen ergreifen kann. Also
nicht abwarten bis das Pferd in ein lebensbedrohliches Schockgeschehen
gerät! Je eher ein Kolikpatient gezielt behandelt und
versorgt wird, desto besser ist die Heilungschance, sei es
mittels Infusions- und Medikamententherapie, sei es mittels
einer Operation. Der Darm kann so verlagert, vertstopft und/oder
verdreht sein, dass dieser nur operativ reponiert und/oder
entleert werden kann.
Bei Anlieferung von ernsthaft erkrankten Kolikpatienten,
wird sofort eine eingehende Erstuntersuchung durchgeführt.
Sollte eine Erkrankung diagnostiziert werden, die eine eventuelle
Operation erfordern könnte, darf keine Zeit verloren
gehen. Der Besitzer sollte baldmöglichst entscheiden,
ob er im Ernstfall (sobald dieser Eintritt) einer Operation
zustimmt. Rechtzeitig operierte Koliker haben durchaus eine
gute Überlebenschance und sind in vollem Umfang wieder
für Sport, Freizeit und Zucht gebrauchsfähig. Die
häufig gestellte Frage, ob operierte, genesene Koliker
in der Zukunft leichter zu Kolikerkrankungen neigen, können
wir guten Gewissens verneinen.
Magengeschwüre
Magengeschwüre und Magenschleimhautreizungen kommen
bei unseren Pferden nicht selten vor. Sie zeigen sich bei
Erwachsenen Pferden und Fohlen durch Fressunlust, Gewichtsverlust,
unterschwellige Koliken (besonders nach der Futteraufnahme)
und Leistungsverlust.
Magengeschwüre können eindeutig nur durch eine
Magenspiegelung diagnostiziert werden. Mit dem speziell für
Magenspiegelungen (Gastroskopien) entwickelten Videoendoskop
können Veränderungen der Magenschleimhaut und/oder
Geschwüre gut sichtbar auf dem Bildschirm dargestellt
werden. Gleichzeitig können gegebenenfalls Schleimhautproben
zur weiteren Untersuchung entnommen werden.
Magenschleimhautreizungen und Magengeschwüre können
im Regelfall durch geeignete Fütterung und medikamentöse
Unterstützung gut therapiert werden. Regelmäßige
Kontrollen sind jedoch angesagt.
Zahnerkrankungen
Da das Pferd große Mengen pflanzliches, schwer zu
zerkleinerndes Futter aufnehmen muss und die Verdauung bekanntlich
im Mund beginnt, müssen die Zähne gesund und funktionstüchtig
sein. Außerdem hat das Pferd eine Besonderheit. Die
Zähne nutzen sich bei dem ständigen Aufeinanderreiben
während der Futteraufnahme langsam aber sicher ab, werden
also immer kürzer. Dieses Kürzerwerden wird bis
ins hohe Alter durch ständiges Nachschieben des Zahns
im Zahnfach ausgeglichen, so dass die Oberkiefer- und Unterkieferzähne
immer in Berührung bleiben. Durch das ständige Abschleifen
entstehen häufig Probleme. Schliffkanten an den Backenzähnen,
die sogenannten Zahnspitzen können die Backenschleimhaut
reizen oder sogar verletzen. Diese Zahnspitzen sollten von
Zeit zu Zeit (etwa alle 6-12 Monate) kontrolliert und eventuell
abgeschliffen werden. Dieses wird mit einer Zahnschleifmaschine
unter einer leichten Sedierung vorgenommen. Nur wenige vertrauensvolle
Pferde lassen diese Prozedur auch ohne Beruhigungsspritze
über sich ergehen.
Da das Pferdemaul lang ist und nur eine verhältnismäßig
kleine Maulöffnung besitzt, ist die Erkennung im hinteren
Bereich von Zahnanomalien und Erkrankungen nur mit einem Stabendoskop
(Sichtgerät) möglich. Mit diesem Gerät kann
also der gesamte Maulbereich gründlich untersucht werden.
Vereiterte Zähne im Oberkiefer äußern sich
durch einseitigen Nasenausfluss, der meist übelriechend
ist. Im Unterkiefer bildet sich häufig eine starke Knochenaufreibung,
z. T. mit eitriger Fistelbildung. Diese Zähne sind in
der Regel nicht zu retten und müssen operativ entfernt
werden. Die hierbei enstehenden teils erheblichen Wundhöhlen
müssen sorgfältigst, meist über einen längeren
Zeitraum, durch Spülungen und antibiotische Behandlung
versorgt werden. In diesem Fall werden wir sie nach erfolgter
klinischer und röntgenologischer Untersuchung eingehend
beraten.
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