Tierärztliche Klinik für Pferde mit angeschlossener Kleintierpraxis - Börnsen bei Hamburg Dr. med. vet. Günther Allmeling - Fachtierarzt für Chirurgie
     

Diagnostik und Therapie von Lahmheiten

Lahmheiten sind aufgrund des Verwendungszweckes und der anatomischen Gegebenheiten unserer „Sportler“, der häufigste Grund einen Tierarzt aufzusuchen. Lahmheit definiert sich durch Gangunreinheit (mehr oder weniger
deutlich), die häufig durch Schmerzhaftigkeit in einer oder mehreren Extremitäten verursacht wird. Vornehmlichstes Ziel einer Lahmheitsuntersuchung ist die sichere Lokalisation dieser Schmerzhaftigkeit, damit eine gezielte Therapie durchgeführt werden kann.

Eine Lahmheitsuntersuchung läuft wie folgt ab:

  1. Feststellen auf welchem Bein der Patient lahmt. Dieses geschieht, wenn möglich, durch Vortraben auf einer geraden Strecke oder durch Longieren.
  2. Beugeproben und deren Befund.
  3. Betasten und Betrachten der Extremität, ob Schwellungen, vermehrte Wärme, Pulsation, Druckschmerzhaftigkeit oder abnormale anatomische Veränderungen vorliegen.
  4. Diagnostische Injektionen: Dieses sind Injektionen mit örtlichen Betäubungsmitteln an Nerven, ins Gelenk oder in
    vermutlich schmerzhafte Bereiche der zu untersuchenden Extremität. Ist das Pferd nach einer derartigen Injektion lahmfrei, hat eine Eingrenzung bzw. Lokalisation der schmerzenden Stelle stattgefunden. Man spricht dann von einem positiven Ergebnis der diagnostischen Injektion. Zur näheren Untersuchung der lokalisierten, schmerzhaften Stelle, folgt die
  5. Untersuchung mit bildgebenden Verfahren:
    a) (Digitales) Röntgen
    b) Ultraschalluntersuchung
    c) Endoskopische Untersuchung
    d) Radioaktive Kontrastmittelmessungen /Darstellungen, wie z.B. die Szintigraphie. Diese Verfahren sind erfahrungsgemäß nur bei dem Vorliegen bestimmter Erkrankungen / Schäden im Skelett- und Weichteilbereich, die nicht mittels der o.g. Verfahren diagnostiziert werden können, angezeigt.

Wenn der Schmerz lokalisiert ist und die durch Bildgebung ermittelten Befunde dazu passen, können wir als Tierärzte eine Diagnose stellen. Nur die gesicherte Diagnose zeigt uns den Weg, welche Therapiemassnahmen ergriffen werden müssen. Es stehen konservative Behandlungsmöglichenkeiten, wie z.B. allg. Medikation sowie die Verabreichung von Wirkstoffen direkt in oder an das erkrankte Gebiet (Gelenk, Sehnenscheide, Sehnen, Muskel, Nerv, etc.), zur Verfügung. In bestimmten Fällen sind operative Massnahmen unumgänglich, um zu einer nachhaltigen Schmerzfreiheit/Lahmfreiheit zu gelangen. Alternativ können Patienten mit chronisch degenerativen Gelenkserkrankungen mit dem Verfahren der Radiosynoviorthese (intraartikuläre Injektion von Radionukleotiden) erfolgreich behandelt werden. Unterstützt werden all diese Maßnahmen und Therapien je nach Fall durch
Physiotherapie, Stoßwellentherapie, Ruhigstellung etc.

Am Ende soll die Wiederverwendbarkeit des Pferdes stehen.

RSO (Radiosynoviorthese)
Nuklearmedizinische Behandlung von chronischen Arthrosen

Bei chronischen Arthrosen, die trotz herkömmlicher Behandlungen immer wieder zu Lahmheiten führen, setzen wir mit erstaunlich guten Erfolgsaussichten Radionukleotide ein, die direkt in die erkrankten Gelenke injeziert werden. Ein arthrotisch verändertes Gelenk kann dadurch nicht wieder in seinen Urzustand zurückversetzt werden, es kommt aber unter dem Einfluss der Nukleotide zu einer deutlichen Verbesserung der Schmerzsituation. Wir haben dieses Verfahren aus der Humanmedizin übernommen. Dort werden durch den Einsatz von Radionukleotiden sehr gute Erfolge bei der Behandlung von chronischen Arthrosen erzielt. Näheres erfragen sie bitte direkt in unserer Klinik.

Atemwegserkrankungen

Wir unterscheiden zwischen Erkrankungen der oberen und unteren Atemwege mit Nasennebenhöhlen. Die oberen Luftwege umfassen den Nasengang, den Rachen, den Kehlkopf, die Luftsäcke und den oberen Teil der Luftröhre. Die unteren Atemwege schließen die Bronchien, die Lunge und den unteren Teil der Luftröhre mit ein.
Die Erkrankungen der oberen Luftwege können sich durch ein- oder beidseitigen Nasenausfluss, durch übermäßiges Schnauben, durch Atemgeräusche oder durch Husten äußern.

Erkrankungen der unteren Luftwege äußern sich durch Schweratmigkeit, Husten, Sekretabfluss. Im akuten Stadium sind Erkrankungen der Atemwege durch geeignete Behandlungsmassnahmen im Heimatstall gut in den Griff zu bekommen.

Sollte sich der Zustand jedoch nicht bessern und in ein chronisches Stadium abgleiten, ist eine genauere Untersuchung mittels Blutuntersuchung, Sekretprobenentnahmen, Röntgen und Bronchien-, Kehlkopf-/Lungenspiegelung ggf. in einer Klinik angezeigt. Diese Untersuchungen geben sicheren Aufschluß darüber, ob es sich um ein akutes, chronisches, infektiöses, herzbedingtes oder nicht selten haltungsbedingtes Geschehen handelt. Eine gezielte, geeignete Behandlungstherapie und/oder Haltungsänderung kann und muß eingeleitet werden, um eine Besserung oder Heilung herbeizuführen.

Verletzungen

Das Pferd ist aufgrund seiner Kraft und seines Verwendungszweckes als Sportkamerad leider sehr verletzungsanfällig. Häufig auftretende Schnitt-, Stich- und Rissverletzungen im Rumpfbereich sind, wenngleich teilweise recht spektakulär, oft nicht tragisch. Sofern nicht große Blutgefäße betroffen sind und keine Körperhöhlen oder Gelenke eröffnet wurden, sind diese in der Regel leicht im Heimatstall zu behandeln.

Kleinere Verletzungen an den Beinen, die jedoch immer als hochgradig infektionsgefährdet anzusehen sind, sind nach Säuberung, antibiotischer Versorgung und Abdeckung durch geeignete Verbände meist vorort gut beherrschbar. Leichte Wundheilungsstörungen, wie z.B. die Bildung von Granulationsgewebe („wildes Fleisch“), können ebenfalls durch sehr regelmäßige Wundbehandlungen minimiert und zur Ausheilung gebracht werden. Sollten die Verletzungen, wie oben angesprochen, schwerwiegender sein, ist die intensive Behandlung in einer Klinik unumgänglich. So müssen tiefe Haut-/Muskel-, Knochen-, Sehnen-/Sehnenscheiden- und Gelenkverletzungen unbedingt unter aseptischen Bedingungen, teils chirurgisch versorgt werden. Hier sind besonders eröffnete Gelenke, wegen der hochgradigen Infektionsgefahr, als lebensbedrohlicher Zustand anzusehen. Bei guter und konsequenter tiermedizinischer Versorgung besteht dennoch die Chance auf eine gute Wiederherstellung und spätere Nutzung des Tieres.

Augenerkrankungen

Augenerkrankungen des Pferdes sind eine ernstzunehmende Sache, ist doch das Pferd sehr stark auf seine Orientierung durch beide Augen angewiesen. Bei Verlust der Sehfähigkeit eines Auges kann das Pferd, bedingt durch die seitliche Position der Augen im Kopf, stark behindert sein, weil sein Gesichtsfeld um 50% eingeschränkt wird. Spät erblindete Pferde versuchen dieses auszugleichen, indem sie den Kopf zur Seite des erblindeten Auges
gedreht halten, um eine bessere Sicht nach vorne zu haben. Dieses kann dazu führen, dass ein einseitig erblindetes Pferd beim Reiten nicht oder nur schwer geradeaus zu halten ist und sich ungern zur Seite des gesunden Auges stellen bzw. biegen lässt. Früh-erblindete Pferde haben seltener diese Schwierigkeiten. Zielsetzung ist es also, durch besonders intensive und gezielte Therapie auch ggf. unter Hinzuziehung eines humanen Augenarztes, die bedrohte Sehfähigkeit eines infizierten oder verletzten Auges zu erhalten. Sehr häufig scheuern die Patienten das erkrankte und schmerzende Auge woran immer sie können und verschlimmern so das Krankheitsgeschehen erheblich. Dies muß durch geeignete Augenverbände und Kopfmasken verhindert werden.

Lidverletzungen, penetrierende Hornhautverletzungen und Augentumore müssen chirurgisch einwandfrei versorgt werden. Ebenfalls wichtig ist die kontinuierliche Versorgung mit Augenmedikamenten (z.B. Salben oder Tropfen) nach solchen Eingriffen sowie bei ernsten, infektiösen Augenerkrankungen. Dieses ist im Stall kaum möglich, da der Besitzer nur selten die Möglichkeit hat, die ca. alle 2 Stunden erforderliche Behandlung durchzuführen. Auch wenn der Patient sich der Behandlung widersetzt, ist eine ordentliche Applikation der Medikamente nicht gewährleistet. In diesem Falle ist die Unterbringung des Patienten in der Klinik unbedingt angezeigt, um wirklich
zum Erfolg zu kommen. Leichte Augeninfektionen werden meistens ambulant bzw. im Stall behandelt.

Wichtig: Bitte behandeln sie ein erkranktes Auge nie mit einer Augensalbe, die sie zufällig noch von einer vorangegangenen Behandlung besitzen. Eine Fehlbehandlung, besonders mit cortisonhaltigen Augenpräparaten, kann eine ernsthafte Schädigung des Auges bewirken. Lassen sie das erkrankte Auge vor einer Therapie unbedingt genau untersuchen.

Diagnostik und Therapie von Koliken

Koliken bei Pferden sind eine artspezifische, häufig lebensbedrohliche Erkrankung. Ursächlich ist der sehr lange, wenig befestigte „Pflanzenfresserdarm“. Der Darm kann sich in der Bauchhöhle unverhältnismäßig stark verlagern und verdrehen und dadurch zu Verstopfungen, Aufgasungen, Verschlüssen, Einklemmungen und Verknotungen führen, die äußerlich nicht unbedingt klar erkennbar sind.

Daher gilt: Wenn eine schnelle Erstbehandlung durch den Haustierarzt mit krampflösenden Medikamenten eine unverzügliche Besserung bringt hat nur ein Darmkrampf vorgelegen. Hält die Wirkung der verabreichten Medikamente nur kurz an oder zeigt keinerlei Besserung, ist mit einer ernsteren Störung im Magen-Darmtrakt zu rechnen. Da die ausreichende kontinuierliche Behandlung und Überwachung des Patienten im Stall nicht immer gewährleistet ist, wird ihr Haustierarzt das Pferd in eine auf diese Fälle spezialisierte Klinik einweisen, die notfalls chirurgische Massnahmen ergreifen kann. Also nicht abwarten bis das Pferd in ein lebensbedrohliches Schockgeschehen gerät! Je eher ein Kolikpatient gezielt behandelt und versorgt wird, desto besser ist die Heilungschance, sei es mittels Infusions- und Medikamententherapie, sei es mittels einer Operation. Der Darm kann so verlagert, vertstopft und/oder verdreht sein, dass dieser nur operativ reponiert und/oder entleert werden kann.

Bei Anlieferung von ernsthaft erkrankten Kolikpatienten, wird sofort eine eingehende Erstuntersuchung durchgeführt. Sollte eine Erkrankung diagnostiziert werden, die eine eventuelle Operation erfordern könnte, darf keine Zeit verloren gehen. Der Besitzer sollte baldmöglichst entscheiden, ob er im Ernstfall (sobald dieser Eintritt) einer Operation zustimmt. Rechtzeitig operierte Koliker haben durchaus eine gute Überlebenschance und sind in vollem Umfang wieder für Sport, Freizeit und Zucht gebrauchsfähig. Die häufig gestellte Frage, ob operierte, genesene Koliker in der Zukunft leichter zu Kolikerkrankungen neigen, können wir guten Gewissens verneinen.

Magengeschwüre

Magengeschwüre und Magenschleimhautreizungen kommen bei unseren Pferden nicht selten vor. Sie zeigen sich bei Erwachsenen Pferden und Fohlen durch Fressunlust, Gewichtsverlust, unterschwellige Koliken (besonders nach der Futteraufnahme) und Leistungsverlust.

Magengeschwüre können eindeutig nur durch eine Magenspiegelung diagnostiziert werden. Mit dem speziell für Magenspiegelungen (Gastroskopien) entwickelten Videoendoskop können Veränderungen der Magenschleimhaut und/oder Geschwüre gut sichtbar auf dem Bildschirm dargestellt werden. Gleichzeitig können gegebenenfalls Schleimhautproben zur weiteren Untersuchung entnommen werden.

Magenschleimhautreizungen und Magengeschwüre können im Regelfall durch geeignete Fütterung und medikamentöse Unterstützung gut therapiert werden. Regelmäßige Kontrollen sind jedoch angesagt.

Zahnerkrankungen

Da das Pferd große Mengen pflanzliches, schwer zu zerkleinerndes Futter aufnehmen muss und die Verdauung bekanntlich im Mund beginnt, müssen die Zähne gesund und funktionstüchtig sein. Außerdem hat das Pferd eine Besonderheit. Die Zähne nutzen sich bei dem ständigen Aufeinanderreiben während der Futteraufnahme langsam aber sicher ab, werden also immer kürzer. Dieses Kürzerwerden wird bis ins hohe Alter durch ständiges Nachschieben des Zahns im Zahnfach ausgeglichen, so dass die Oberkiefer- und Unterkieferzähne immer in Berührung bleiben. Durch das ständige Abschleifen entstehen häufig Probleme. Schliffkanten an den Backenzähnen, die sogenannten Zahnspitzen können die Backenschleimhaut reizen oder sogar verletzen. Diese Zahnspitzen sollten von Zeit zu Zeit (etwa alle 6-12 Monate) kontrolliert und eventuell abgeschliffen werden. Dieses wird mit einer Zahnschleifmaschine unter einer leichten Sedierung vorgenommen. Nur wenige vertrauensvolle Pferde lassen diese Prozedur auch ohne Beruhigungsspritze über sich ergehen.

Da das Pferdemaul lang ist und nur eine verhältnismäßig kleine Maulöffnung besitzt, ist die Erkennung im hinteren Bereich von Zahnanomalien und Erkrankungen nur mit einem Stabendoskop (Sichtgerät) möglich. Mit diesem Gerät kann also der gesamte Maulbereich gründlich untersucht werden.

Vereiterte Zähne im Oberkiefer äußern sich durch einseitigen Nasenausfluss, der meist übelriechend ist. Im Unterkiefer bildet sich häufig eine starke Knochenaufreibung, z. T. mit eitriger Fistelbildung. Diese Zähne sind in der Regel nicht zu retten und müssen operativ entfernt werden. Die hierbei enstehenden teils erheblichen Wundhöhlen müssen sorgfältigst, meist über einen längeren Zeitraum, durch Spülungen und antibiotische Behandlung versorgt werden. In diesem Fall werden wir sie nach erfolgter klinischer und röntgenologischer Untersuchung eingehend beraten.